• Beitrag zum „Problem“ Muttermilch in der Kita

    Date: 2013.01.26 | Category: News | Tags:

    Hallo,

    vielleicht habt Ihr schon davon gehört: am 16.1. waren sowohl in der MAZ als auch in der PNN interessante Artikel – durchaus mit Sprengstoffcharakter – zu lesen.

    http://www.pnn.de/pm/714769/

    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12454713/60709/Aerztin-beklagt-Diskriminierung-Muetter-in-Schwielowsee-muessen-abstillen.html

    Inhalt: Seit einiger Zeit heißt es im Anhang zum Kita-Betreuungsvertrag mit der Gemeinde Schwielowsee „In unseren Kindereinrichtungen wird nur mit Muttermilchersatz gefüttert. Eine Verabreichung von mitgebrachter Muttermilch ist nicht zulässig.“

    Mit Recht ging Kinderärztin Winnie Berlin dagegen an. Gerade angesichts des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr ab August könnte dieser Passus einige Familien vor große Probleme stellen, verunsichern und verärgern.

    Die Mitglieder des Netzwerkes empfanden es als ihre Pflicht, dieser Sache nachzugehen – und so begaben sich 2 von uns zur Sitzung des Schwielowseeer Ausschusses für Kultur, Schulen, Soziales und Sport am 21.1. ins Rathaus Ferch.

    Die Stimmung war leicht gereizt und es kam gleich zu Beginn zu einigen Diskussionen, denen man entnehmen konnte, wie angespannt das Verhältnis der verschiedenen Parteien schon ist.

    Frau Berlin bat darum, dass Frau Dr. Skadi Springer von der Nationalen Stillkommission zum Thema angehört werden sollte. Obwohl dies verfahrenstechnisch nicht vorgesehen war und von Frau Bürgermeisterin Hoppe strikt abgelehnt wurde, konnte es dank einiger engagierter Mitglieder des Ausschusses glücklicherweise ermöglicht werden.

    Dann wurde zur Tagesordnung übergegangen – unser Thema kam ganz zuletzt an die Reihe.

    Frau Bürgermeisterin Hoppe referierte kurz zum Stand der Dinge, was zum großen Teil schon in oben genannten Presseartikeln zu lesen war: Es hätte noch nie eine Mutter abstillen müssen; es handele sich um Einzelfälle, die bisher gütlich geregelt wurden; es gebe Bedenken wegen der Hygiene und es wäre für einen betroffenen Säugling extra eine 30-h-Kraft eingestellt wurden.

    Uns taten sich da Ungereimtheiten auf:

    1. Wieso muß wegen der Muttermilch eine extra 30-h-Kraft eingestellt werden, wo doch der Aufwand, ob Muttermilch oder Ersatznahrung, derselbe sei dürfte?
    2. Es fehlt offenbar Aufklärung über die korrekte Behandlung von Muttermilch.

    Da wir uns selbst nicht zu Wort melden durften, waren wir froh, dass genau diese Themen durch Mitglieder des Ausschusses angesprochen wurden. Frau Cremer (Kitaleiterin) beschrieb nun, wo die Mehrarbeit mit der Muttermilch anfiel. Es stellte sich heraus, dass es sich um reine Dokumentationstätigkeiten handelte (wann Übernahme der Milch von den Eltern, ist Milch gekühlt, wann gefüttert usw.) bzw. um Hygienemaßnahmen, wie z. B. die Nutzung von Mundschutz und Einmalhandschuhen beim Umgang mit der Muttermilch. Aber es wurde auch deutlich, dass ein so junger Säugling eine 1 : 1-Betreuung benötigte, was unseres Erachtens ganz unabhängig davon zu sehen ist, welche Milch gefüttert wird.

    Danach bekam Frau Dr. Skadi Springer das Wort. Ihre sehr kompetenten Ausführungen kann man so zusammenfassen: Sie gab sich durchaus dankbar für das Herantragen des Problems an die Nationale Stillkommission, denn bisher wäre ihr gar nicht bewusst gewesen, dass es keine Richtlinien für die Behandlung von Muttermilch in der Kita gäbe und dies durchaus problematisch sei. Dies werde die Stillkommission so schnell wie möglich ändern. Jedoch wies sie auch darauf hin, dass es keine gesetzlichen Regelungen geben werde, ebenso wie es keine gesetzlichen Regelungen über die Durchführung einer Blindarm-OP geben könne. Es könne nur Richtlinien geben. Man müsse und könne sich hier auf die Verantwortung der Mütter/Eltern verlassen, die für ihr Kind das Beste wünschen und sicher alles dafür Notwendige tun würden. Kurz ging Frau Dr. Springer darauf ein, dass die beschriebenen dokumentarischen und hygienischen Maßnahmen nicht nötig gewesen wären. Muttermilch hätte z. B. Inhaltsstoffe, die antibakteriell wirken – im Gegensatz zur Ersatznahrung, die sogar selbst schon bakteriell durchsetzt sein könne und deswegen vor Verwendung auf mind. 70 °C erhitzt werden müsse.

    In der anschließenden Diskussion sind ein paar wichtige Punkte zur Sprache gekommen. Frau Bürgermeisterin Hoppe hatte referiert, dass es zwar den ablehnenden Passus im Kita-Vertrag gäbe, aber für die wenigen auftretenden Einzelfälle immer Lösungen gefunden (d. h. Ausnahmen gemacht) worden wären. Ein Mitglied des Ausschusses brachte auch unser Unverständnis auf den Punkt: „Also unterschreibe ich als Mutter zuerst, dass ich einverstanden damit bin, dass keine Muttermilch gefüttert werden kann, um es dann doch zu dürfen?“. Wir denken, hier zeigte sich deutlich, dass etwas an diesem Passus verändert werden muß.

    Zum Glück haben engagierte Mitglieder des Ausschusses dafür gesorgt, dass das Thema auch beim nächsten Treffen auf der Tagesordnung steht. Frau Hoppe hätte offenbar sehr gern alles erst einmal so belassen, bis es von der Nationalen Stillkommission Richtlinien gibt. Wir glauben allerdings auch, dass darauf nicht gewartet werden kann und dringender Handlungsbedarf besteht.

    Zum nächsten Treffen des Ausschusses am 11.3. um 19 Uhr im Rathaus Ferch werden wir wieder anwesend sein und berichten.

    Unser Fazit:

    – Wir haben Verständnis für die Ängste der Verantwortlichen, fragen uns jedoch auch, warum es diese Bedenken offenbar überhaupt nicht gegen die Ersatznahrung gibt, die wesentlich schlechter für die Ernährung der Säuglinge geeignet ist und hygienische Risiken birgt.

    – Der Passus im Kita-Vertrag, der das Mitbringen von Muttermilch untersagt, muß gestrichen bzw. gegebenenfalls durch eine andere Formulierung, die das Vorgehen der Kita-Leitung besser erläutert, ersetzt werden.

    – Gleichzeitig sollte ein etwas unverkrampfterer Umgang mit der mitgebrachten Muttermilch gefunden werden. Mundschutz und Einmalhandschuhe sind ganz sicher übertrieben. Hierbei stellen wir auch gern unsere Hilfe zur Verfügung.

    – Auf die Richtlinien der Nationalen Stillkommission sollte – vor allem auch im eigenen Interesse der Gemeinde – hierbei nicht gewartet werden, denn der Passus im Vertrag wirkt extrem familienunfreundlich.

    Hier noch ein Link zum PNN-Artikel die Sitzung des Ausschusses betreffend:

    http://www.pnn.de/pm/716690/

    Und hier zwei Links zu Seiten, auf denen die richtige Behandlung von Muttermilch erläutert wird, wenn auch nicht speziell für Kitas:

    http://www.bfr.bund.de/cm/343/sammlung_aufbewahrung_und_umgang_mit_abgepumpter_muttermilch_fuer_das_eigene_kind.pdf

    https://secure.syynx.de/asklepiosCMS/webpageUpload/757-52777__Flyer_Muttermilch_Printversion.pdf

    Das war’s für heute!

    Angela